Straßer Vermögenskompass Juni 2026

Das Wichtigste in Kürze

Sell in May & go away? Was steckt dahinter?
langfristige Zinsen leicht rückläufig
Inflationserwartung rückläufig dank fallendem Ölpreis

Hintergrund

Sell in May & go away? Was steckt dahinter?

Seil in May and go away? Warum dieser Börsenmythos wenig hilft:
Der alte Börsenspruch „Seil in May and go away“ klingt eingängig, ist für Anleger aber ein schlechter Ratgeber. Die Idee dahinter: Wer im Mai verkauft und erst im Herbst wieder einsteigt, soll die schwächeren Sommermonate meiden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass solche Kalenderregeln viel zu grob sind, um verlässliche Anlageentscheidungen zu treffen.
Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre beim S&P 500 macht das deutlich. Von 2016 bis 2025 war die Phase von Mai bis Oktober in neun von zehn Jahren positiv. Besonders stark fielen die Zuwächse 2020 mit 12,3 %, 2021 mit 10,1 %, 2024 mit 13,3 % und 2025 sogar mit 22,8 % aus. Nur 2022 brachte in diesem Zeitraum ein Minus von 6,3 %. Wer sich starr an den Börsenmythos gehalten hätte, hätte also mehrfach erhebliche Renditechancen verpasst.
Entscheidend ist nicht der Kalender, sondern die langfristige Strategie. Märkte werden von Unternehmensgewinnen, Zinsen, Konjunktur, Inflation und Anlegerstimmung bewegt – nicht von einem Reim. Natürlich kann es saisonale Muster geben, doch sie sind weder stabil noch planbar genug, um daraus ein robustes Anlagekonzept abzuleiten. Für langfristig orientierte Anleger bleibt deshalb wichtiger, breit gestreut investiert zu bleiben, Risiken bewusst zu steuern und nicht wegen eines Börsenspruchs hektisch aus- und wieder einzusteigen.

Aktuelles zum Markt

Starker Mai

Die weltweiten Aktienmärkte verzeichneten im Mai 2026 eine der stärksten Monatsentwicklungen des laufenden Jahres.
Das Marktumfeld blieb damit konstruktiv, auch wenn geopolitische Spannungen und die nach wie vor erhöhten Leitzinsen als Gegen­wind im Hintergrund wirkten.

Gleichzeitig blieb das makroökonomische Umfeld anspruchsvoll. Die Inflationsentwicklung zeigte sich weiterhin hartnäckig und lag in Teilen über den Erwartungen. Dies führte dazu, dass sich die Hoffnung auf schnelle und umfassende Zinssenkungen weiter relativierte. Entsprechend blieb die Geldpolitik ein zentraler Einflussfaktor für die kurzfristige Marktentwicklung, ohne jedoch den übergeordneten Aufwärtstrend nachhaltig zu beeinträchtigen.

Die US-Börsen entwickelten sich im internationalen Vergleich erneut überdurchschnittlich robust. Sowohl der S&P 500 als auch der NASDAQ 100 profitierten von einer anhaltend starken Nachfrage nach wachstumsorientierten Titeln. Insbesondere der Bereich Künstliche Intelligenz blieb der dominierende Treiber dieser Entwicklung. Die hohen Investitionen in Infrastruktur, Rechenkapazitäten und Anwendungen spiegeln die Erwartung wider, dass KI ein zentraler Produktivitäts- und Wachstumsmotor der kommenden Jahre sein wird.

Unsere Einschätzung

Die Kapitalmärkte zeigen sich trotz anhaltender geldpolitischer Gegenwinde und erhöhter Inflation strukturell in guter Verfas­sung. langfristige Wachstumstreiber gewinnen zunehmend die Oberhand. Besonders der Technologiesektor setzt die Agenda, angetrieben von einer KI-Euphorie, die Investoren zu historisch hohen Bewertungen verleitet. Ob die eingepreisten Erwartungen durch tatsächliche Unternehmensgewinne gedeckt werden können, bleibt eine offene Frage. Wir beobachten diese Entwicklung mit der gebotenen Nüchternheit, bleiben aber unserem langfristigen Investitionsansatz treu.

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